Interview Peter Hall, GF Haas Automation Europe
17.01.2010
Kleine Maschinen für große Ansprüche
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Von Leo Ochsenbauer
megatech:Würden Sie Haas Maschinen als Green Technology bezeichnen?
Hall:Das ist eine gute Frage. Lassen Sie es mich so beantworten: Gene Haas hat von Anfang an seine ganzen Produktreihen mit linearen Führungsbahnen entwickelt. Diese Technologie benutzt mittlerweile zwar schon fast jeder, aber wir waren die Ersten. Dadurch hat man keinen Reibungseffekt mehr, die Effizienz einer Maschine steigt. Wir wurden auch immer ausgelacht, weil wir unsere Maschinen kleiner und leichter gebaut haben. Komischerweise produzieren die Maschinen, die wir vor 18 oder 19 Jahren gebaut haben, heute immer noch. Das heißt, der Abnutzungseffekt unserer Maschine ist kleiner und unsere Maschinen brauchen dadurch auch weniger Energie. Mit anderen Worten, der globale ökologische Fußabdruck ist weitaus besser, als bei vielen anderen Maschinen eben weil wir auch viel weniger Material benutzen, um unsere Werkzeugmaschinen zu bauen, und trotzdem so effizient wie andere sind. Außerdem ist der Energieverbrauch unserer Maschinen weitaus weniger als bei anderen. Derzeit arbeiten wir auch gerade an einer "Einschlaf-Technik" für unsere Maschinen, also einem Standby-Modus wie bei einem Computer. Das ist zwar nur eine Kleinigkeit, aber wer denkt schon daran? Wir gehen in sehr viele neue Richtungen im Moment, das war nur ein Beispiel.
megatech:Das heißt, Haas ist auch umweltbewusst?
Hall:Absolut. Früher war es halt so, dass man gefragt wurde: "Wie schwer ist Ihre Maschine?" Das war der Maßstab. Kaufen Sie ein Auto und fragen, wie schwer es ist? Unsere Maschinen waren eben immer schon leicht und trotzdem stabil. Man braucht keine massiven und schweren Werkzeugmaschinen!
Die VF-2 oder VF-3 sind wohl unsere am meisten produzierten Maschinen. Man soll doch einfach mal diese Maschinen mit anderen vergleichen für die gleiche Produktion. Wie viel Energie kann man sparen? Wir benutzen kleinere Motoren. Wir haben unseren eigenen Antrieb, einen Vektorantrieb. Die Software regelt den Motor ideal Strom und Drehmoment werden also optimiert. Dementsprechend energieeffizient ist das. Wir bauen unsere eigenen Achsenantriebe, eigene Spindelantriebe, eigene Spindeln bis 30.000 Umdrehungen, eigene Steuerung, eigene Software. Das heißt, alles ist perfekt aufeinander abgestimmt. Auch unsere Steuerungen sind perfekt für unsere Maschinen optimiert und das spart am Ende Energie.
megatech:Auf der EMO wurde die neue Bohr- und Gewindebohrmaschine DT-1 vorgestellt, vor Kurzem haben Sie die MiniMill 2 und die ES-5 Bearbeitungszentren präsentiert. Werden kleinere Maschinen jetzt mehr nachgefragt?
Hall:Das ist eine sehr interessante Frage. Erstens würde ich sagen, dass es heute sehr stark um das Energiesparen und um grüne Technologie geht. Der Trend der Produkte geht daher in Richtung kleiner, leichter, wirksamer, umweltfreundlicher. Man sieht also, dass die Produkte und damit auch der Formenbau kleiner geworden sind. Wir brauchen diese Riesen-Monster-Sachen nicht mehr. Wir haben diese Marktlücke so um 2001 herum entdeckt und die erste Mini-Mill eingeführt.
Viele Maschinen sind ja eigentlich überdimensioniert, hier setzen wir mit unserer MiniMill an. Immerhin sind ja 80 Prozent aller produzierten Teile wirklich klein. Und trotzdem hat man sie immer mit diesen Riesenmaschinen produziert.
megatech:Was ja auch nicht besonders energieeffizient ist
Hall:Nein, nicht energieeffizient, nicht platzeffizient und auch so nicht effizient. Ich habe damals gesagt, wir werden 100 Stück der Mini-Mill pro Monat verkaufen und der Betriebsleiter hat mich ausgelacht. Nach einem halben Jahr waren wir auf diesem Niveau. Heute haben wir bereits um die 8000 Stück dieser Maschine verkauft, in ein bis zwei Jahren erreichen wir die 10.000ste verkaufte MiniMill.
megatech:HAE ist für seine kundenfreundliche Preispolitik bekannt. Wie geht es Ihnen da derzeit im Vergleich zum Mitbewerb?
Hall:Vielleicht geht es uns besser. Wir meinen, wir werden in diesen schwierigen Zeiten ein bisschen mehr Marktanteil bekommen. Natürlich ist eine Entscheidung von 20.000 bis 40.000 Euro leichter als über 100.000 Euro. Es geht ja heutzutage viel um die Finanzierung. Natürlich gibt es in diesem Markt viele Konkurrenten, die ihre Maschinen mit Riesennachlass und ehrlich gesagt verrückten Preisen anbieten. Aber was steckt dahinter? Ich meine, man kann eine Haas-Qualitäts-Maschine zu einem vernünftigen Preis kaufen. Und man zahlt nicht jetzt einen anderen Preis, sondern kann unsere Maschinen immer zu diesem Preis bekommen. Ich glaube also, unser Marktanteil wird sich vergrößern und unsere Kunden werden langsam entdecken, dass man wirklich 80 Prozent aller Teile, die man fertigen will, mit einer Haas-Maschine fertigen kann. Sicher gibt es Maschinen, die teurer, schneller oder schwerer sind aber braucht man das wirklich?
megatech:Inwiefern hat sich der Kundenkreis von HAE in den letzten Jahren bzw. heuer geändert?
Hall:Der Kundenkreis von Haas wird immer größer. Es gibt ja kaum ein Produkt oder eine Anwendung in der Zerspanungsindustrie, wo Haas nicht in irgendeiner Art und Weise involviert ist außer natürlich der voll automatisierten Industrie. Wir sind zwar kein Konsumprodukt, aber wir machen Standardmaschinen mit vielen Optionen. Das heißt, man kann z. B. eine Vertikalmaschine kaufen, eine vierte oder fünfte Achse von uns an der Maschine anbringen. Es gibt viele verschiedene Optionen, z. B. eine Spindel bis 30.000 oder so. Unsere Maschinen sind also von einem Standardkonzept aus auf die unterschiedlichsten Einsatzmöglichkeiten adaptierbar. Wir machen nur eben keine Maschinen, von denen man nicht mindestens zehn bis 20 Stück pro Monat absetzen kann. Unser ganzes Konzept beruht ja auf Volumen und Standardisierung. Deswegen ist unser Preis-Leistungs-Verhältnis ja auch so gut.
megatech:Wie geht es HAE derzeit? Bis vor Kurzem hatten Sie ja 40 Prozent jährliches Wachstum an Stückzahlen gerechnet.
Hall:Inklusive der ersten vier Monate 2008 hatten wir tatsächlich diese 40 Prozent jährliches Wachstum, dann kam ein leichter Einbruch und es ging monatlich runter. Ende 2008 ging es dann rapide bergab. Mittlerweile sind wir auf dem Niveau an Stückzahlen von 2004. Unser Marktsektor sind ja kleine und mittlere Firmen. Ein Lohnfertiger kann bei uns bereits ab 22.000 Euro eine Maschine kaufen. In diesem Marktsegment, weit unter 100.000 Euro, hatten wird auch die großen Zuwachsraten. In Europa sind wir von der Stückzahl her heuer sicher um 75 Prozent hinuntergegangen wenn nicht mehr. Aber wenn unsere Konkurrenten ehrlich sind, ist es bei ihnen genau so. Man hört von allen Vertretungen in Europa, dass es bis zu 80 Prozent reduziertes Volumen gibt, z. B. in Russland. Mit 75 Prozent bin ich also realistisch.
megatech:Was dürfen sich Ihre Kunden in nächster Zeit von HAE erwarten?
Hall:Unser Trend ist immer, ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis und Service anzubieten. Dadurch kommt Zuverlässigkeit. Das heißt, Sie können eine Maschine sehr leicht und sehr schnell bekommen und das zu einem guten Preis-Leistungsverhältnis. Also hervorragende Zuverlässigkeit und hervorragendes Service. Wir senken die Kosten, die Maschine zu bekommen und instand zu halten. Dies können wir durch eine verbesserte Produktion der Maschinen erreichen. Wir wollen durch die Reduktion unserer Kosten auch die Kosten für unsere Kunden reduzieren.
www.HaasCNC.com

MEGATECH
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